Andreas Riedel arbeitet schon viele Jahre als Coach und Dozent. Als zertifizierter systemischer Coach und zertifizierter Multi-Familien-Trainer schreibt er hier Kurzgeschichten rund um das Thema "Achtsame Kommunikation".
Wer schon mal einen Leseabend oder ein Seminar von Andreas Riedel besucht hat, weiß genau, dass man hier viel Humor und Ernsthaftigkeit auf einmal bekommt.
Schwierigen Sachlagen mit einem Augenzwinkern zu begegnen, das ist seine Maxime.
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Was hat den Ausschlag zum Schreiben des Buches gegeben?
Andreas Riedel: In meiner Arbeit mit Institutionen habe ich viel Hilflosigkeit erlebt, wenn es um Themen wie Mobbing, Rassismus oder verbale Sexualisierung ging, also Gewalt in der Sprache. Ich wollte dann als Coach Kommunikationstrainings für ebensolche Einrichtungen anbieten, und bekam als Antwort, dass dies nur für Lehrende oder Autoren möglich sei, sonst wäre eine Finanzierung nicht möglich. Und weil ich ein „Nein“ gerne als Arbeitsauftrag verstehe, habe ich einen AEVO (der wurde zusätzlich gefordert) gemacht und dieses Buch geschrieben. Darin finden sich die Geschichten, die ich in 30 Jahren als Multi-Familientrainer und Coach erlebt habe. Mein wichtigster Ansatz war, anderen mit meinen Erfahrungen zu helfen.
Dann richtet sich das Buch an Kinder und Jugendliche?
Auf keinen Fall. Aktuell überlege ich, aus dem Buch Bildungszeit-Kurse für Lehrkräfte zu entwickeln, denn es richtet sich nicht explizit an Kinder oder Jugendliche, sondern erklärt eigentlich jedem ohne den Zeigefinger zu erheben, warum zum Beispiel Begriffe wie „Z.....schnitzel“ oder der „N….-Kuss“ nicht benutzt werden sollen.
Besonders durch das Internet wird heute ja nicht mehr konstruktiv gestritten, sondern polemisch verachtet.
Also ist das Internet schuld an einer fortschreitenden Verrohung der Sprache?
Nicht falsch verstehen: Ich lebe quasi online und nutze das Internet dauernd und gerne. Aber man muss sich dem nicht hingeben. Ich kann versuchen, etwas gegen gewaltvolle Sprache oder destruktive Streitkultur zu tun. Mit dem Buch möchte ich einen leichten Zugang zu einem schwierigen Thema bieten. Daher ist auch die Sprache nicht akademisch oder intellektuell belehrend, sondern alltagstauglich. Ich glaube, jeder kann seinen Beitrag zu einer besseren Gesellschaft leisten, wenn man bewusst auf seine eigene Sprache achtet.
Was genau macht ein Multi-Familientrainer?
Ich erkläre mal an einem Beispiel: Eine Mutter hat ein Kind, das schulabgängig ist, sie bringt ihren Sohn morgens zur Schule, er haut hinten übers Klofenster wieder ab. Da bist du ja machtlos als Mutter oder Vater. Im systemischen Training bringen wir drei oder vier Elternteile mit ähnlichen Problemen zusammen, und im Gespräch entwickeln sich die typischen Prozesse. Was in der Gruppendynamik dann immer als erstes passiert, ist die Erkenntnis: „Ich bin gar keine schlechte Mutter,“ oder „mein Kind ist gar nicht gestört“. Im zweiten Schritt werden die Bindungen zwischen Kindern und Eltern wieder gestärkt. Sie stellen fest, dass sie da etwas ganz Tolles miteinander haben. Die Familie fühlt sich wieder als Verbund und merkt, dass sie nur verlernt hat, miteinander zu kommunizieren. Die Kinder und Eltern stellen fest, dass sie nicht schlecht sind, sondern einfach nur Probleme haben. Das ist der erste Schritt raus aus der Verzweiflung, zurück zu einem konstruktiven und wertschätzenden Umgang miteinander. Für jedes Problem gibt es eine Lösung.
Es gibt einfach Dinge, die nicht gut laufen, auch wenn du nichts falsch machst.“